Ursprung
Die Schule geht auf Takenaga Hayato zurück, einen Krieger aus der Provinz Sendai im Norden Japans, der im 17. Jahrhundert bei der Yagyū-Familie studierte und deren Prinzipien mit der lokalen Kampftradition seiner Region verband. Der Name Shingan — «Herz und Augen» — benennt das Ziel: eine Wahrnehmung, die dem Gegner voraus ist, weil sie nicht am Detail hängt.
Das Konzept, auf das alles zuläuft, heisst mushin: ein Zustand ohne Gedanken, in dem die Reaktion der Wahrnehmung nicht mehr nachfolgt, sondern mit ihr zusammenfällt.
Was trainiert wird
Yagyū Shingan-ryū ist vor allem für sein Jūjutsu bekannt — kraftvoll, nah, mit Würfen, Gelenktechniken und Atemi. Charakteristisch ist, dass das System zwei Situationen getrennt behandelt: den Kampf in Rüstung (kacchū) und den in Zivilkleidung (suhada). Die Techniken unterscheiden sich grundlegend, weil ein gepanzerter Gegner anders greift, fällt und trifft.
Dazu kommen Kenjutsu, Iai, Bōjutsu und Naginata.
Ungewöhnlich und für die Schule prägend ist die Körperschulung: das Tanren, eine systematische Konditionierung mit schweren Geräten, die dem eigentlichen Techniktraining vorausgeht. Ebenso ungewöhnlich ist die überlieferte Heiltradition — Knochenrichten und manuelle Behandlung als Teil des Curriculums, nicht als Beiwerk.
In der Schweiz
Der CERN Martial Arts Club in Meyrin führt seit 2005 eine Bujutsu-Sektion, die nach den Prinzipien von Shimazu Kenji Sensei, dem 19. Sōke der Linie, unterrichtet. Trainiert wird zweisprachig, französisch und englisch, und der Club steht ausdrücklich auch Personen offen, die nicht am CERN arbeiten.